Nationale und internationale Vorschriften legen die Sicherheitsanforderungen für Fahrzeuge zur Personenbeförderung fest. Für die Herstellung eines Busses der Klasse M2 oder M3 stehen unterschiedliche Genehmigungs- und Produktionswege zur Verfügung.
Eine Möglichkeit besteht darin, einen ursprünglich für den Gütertransport gefertigten Kastenwagen zu einem Bus umzubauen. Sowohl neue Hersteller im Bereich der Personenbeförderung als auch erfahrene Umrüster benötigen eine Genehmigungsstrategie, die Basisfahrzeug, Umbauumfang und Zielmarkt berücksichtigt. Dieser Beitrag erläutert die wichtigsten Wege und unsere Unterstützung in den einzelnen Projektphasen.
Definitionen der Busklassen M2 und M3
Busse sind für die Personenbeförderung ausgelegte Fahrzeuge und müssen die Sicherheitsanforderungen des EU- und UN-Rechts erfüllen. In der Türkei wird umgangssprachlich außerdem der Begriff „Minibüs“ verwendet; die formale Einstufung richtet sich jedoch nach Fahrzeugklasse und Aufbauklasse. Die folgende Darstellung verwendet eine verständliche Sprache, ohne diese rechtliche Unterscheidung aufzugeben.
Busse gehören zu den Fahrzeugklassen M2 und M3 und werden zusätzlich den Klassen I, II, III, A oder B zugeordnet. Grundsätzlich muss das Fahrzeug für den Fahrer und mehr als acht Fahrgäste ausgelegt sein.
Die Klasse M2 umfasst Fahrzeuge zur Personenbeförderung mit einer zulässigen Gesamtmasse bis 5.000 kg; Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse über 5.000 kg gehören zur Klasse M3.
Klasse I umfasst Fahrzeuge für mehr als 22 Fahrgäste zusätzlich zum Fahrer, mit Bereichen für stehende Fahrgäste und häufigen Fahrgastwechsel. Klasse II ist überwiegend für sitzende Fahrgäste ausgelegt, lässt aber eine begrenzte Zahl stehender Fahrgäste zu. Klasse III ist ausschließlich für sitzende Fahrgäste bestimmt. Hochkapazitäts-Stadtbusse sind typische Fahrzeuge der Klasse I, Regionalverkehre nutzen häufig Klasse II und Reisebusse gehören in der Regel zur Klasse III.
Klasse A umfasst Fahrzeuge für höchstens 22 Fahrgäste zusätzlich zum Fahrer, die auch für stehende Fahrgäste ausgelegt sind. Fahrzeuge der Klasse B haben dieselbe Fahrgastgrenze, sind jedoch ausschließlich für sitzende Fahrgäste vorgesehen. Barrierefreie Stadtfahrzeuge mit Rollstuhlplätzen und Klappsitzen sind typische Anwendungen der Klasse A; Shuttle- und Schulbusse sowie lokale Sitzverkehre gehören häufig zur Klasse B.
Welche Kastenwagen werden häufig zu Bussen umgebaut?
Aus Kastenwagen aufgebaute Busse sind weltweit verbreitet, weil die Basisfahrzeuge Vorteile bei Betrieb, Kraftstoffverbrauch, Anschaffungskosten und Serviceverfügbarkeit bieten können.
Zu den in der Türkei häufig verwendeten Basisfahrzeugen gehören Modelle wie Mercedes-Benz Sprinter, Fiat Ducato, Ford Transit, Peugeot Boxer, Citroën Jumper, Renault Master, Iveco, Volkswagen Crafter und MAN. Die Nachfrage nach den einzelnen Plattformen hängt unter anderem von Kundenpräferenzen, Einsatzprofil und Betriebsregion ab.
Was ist ein Kastenwagen? Vereinfacht gesagt ist ein Kastenwagen ein geschlossenes Kraftfahrzeug, das ursprünglich für die Güterbeförderung ausgelegt wurde.
Welcher Genehmigungsweg eignet sich für einen Kastenwagenumbau?
Für Kastenwagenumbauten kommen in der Regel zwei Genehmigungswege in Betracht. Abhängig von Basisfahrzeug, Stückzahl, Zielmarkt und Umbauumfang sind die türkische AİTM-Serienänderung als nationale Typgenehmigung sowie die Mehrstufen-Typgenehmigung nach der Verordnung (EU) 2018/858 die wichtigsten Optionen.
Für Fahrzeuge, die in den EU-Markt exportiert werden sollen, ist ein Genehmigungsweg nach der Verordnung (EU) 2018/858 erforderlich. Bei Projekten ausschließlich für den türkischen Markt kann nach Prüfung von Zielmarkt und Produktionsplan eine nationale Typgenehmigung zweckmäßiger sein.
Wie wird eine Typgenehmigung erteilt?
Fahrzeugtypgenehmigungen folgen grundsätzlich einer vergleichbaren Struktur. Wie bei Typgenehmigungen der Klassen O1 und O2, Typgenehmigungen für landwirtschaftliche Anhänger, nationalen Genehmigungsprojekten gelten auch hier administrative und technische Anforderungen. In ersten Abstimmungen wird der geplante Antragsumfang festgelegt. Nach Marktanalyse und Definition des Produktionsziels laufen administrative und technische Arbeitspakete parallel.
Der Antragsteller muss als Unternehmen bestehen und über einen geeigneten Produktionsstandort verfügen. Je nach Verfahren gelten weitere Voraussetzungen und zusätzliche Unternehmensnachweise; auch das Qualitätsmanagement ist vorzubereiten. Parallel zu den administrativen Arbeiten werden das Prüfprogramm geplant und das Prüffahrzeug nach der vereinbarten Spezifikation aufgebaut.
Wie werden Busprüfungen durchgeführt?
Für Busse gelten hohe Sicherheitsanforderungen. Vorschriften regeln unter anderem Sitzverankerungen, Fahrgasträume und die Festigkeit des Aufbaus. Je nach Fahrzeugklasse und Genehmigungsumfang können Prüfungen im Labor, am Produktionsstandort und auf der Straße erforderlich sein. Prüfmuster und Gesamtfahrzeug müssen deshalb anhand eines abgestimmten Prüfplans vorbereitet werden. Wir unterstützen bei der Festlegung dieses Plans, der Ermittlung der Nachweise und der prüfgerechten Fahrzeugvorbereitung.
Anfangsbewertung und Übereinstimmung der Produktion
Zu Beginn des Typgenehmigungsverfahrens werden die Produktionsunterlagen und die Bereitschaft des Fertigungsstandorts bewertet. Eine Erläuterung dazu finden Sie in Was bedeutet Übereinstimmung der Produktion (CoP)?.
Was geschieht nach den Prüfungen?
Nach erfolgreichem Abschluss der Prüfungen und der Anfangsbewertung prüft der akkreditierte technische Dienst die eingereichte technische Dokumentation. Bei deren Erstellung stimmen wir die Unterlagen mit den Prioritäten des Herstellers und dem vereinbarten Genehmigungsumfang ab. Anschließend bestätigt der technische Dienst die Nachweise und erstellt die Prüfberichte. Diese Berichte und Begleitunterlagen werden der Genehmigungsbehörde vorgelegt. Bestehen nach administrativer und technischer Prüfung keine offenen Nichtkonformitäten, erteilt die Behörde die Typgenehmigung. Dieser Ablauf gilt sowohl für nationale als auch für EU-Typgenehmigungen.
Was geschieht nach Erteilung der Typgenehmigung?
Mit Erteilung der Typgenehmigung darf der Hersteller Fahrzeuge innerhalb des genehmigten Umfangs in Serie fertigen. Für jedes konforme Fahrzeug wird anschließend eine Übereinstimmungsbescheinigung (CoC) ausgestellt. Zusammen mit Rechnung und weiteren administrativen Unterlagen bildet sie die Grundlage für die Fahrzeugzulassung. Bei einer nationalen Serienänderungsgenehmigung kann zusätzlich eine Untersuchung vor der Zulassung erforderlich sein. Mit der Genehmigung enden die Herstellerpflichten jedoch nicht: Das Qualitätssystem ist für jedes Fahrzeug aufrechtzuerhalten, die Produktion wird durch Überwachungsmaßnahmen verifiziert und Änderungen müssen durch eine Erweiterung der Genehmigung abgedeckt werden. Wiederkehrende Audits müssen die fortdauernde Wirksamkeit des genehmigten Prozesses belegen. Weitere Informationen enthält unser Beitrag über die Pflichten des Herstellers.
Warum Anemon Engineering?
Anemon Engineering hat Typgenehmigungsprojekte für mehrere etablierte Bushersteller erfolgreich begleitet. Durch unsere aktive Mitwirkung in allen Projektphasen verfügen wir über praktische Erfahrung mit nationalen und internationalen Genehmigungswegen. Wir erfassen die wirtschaftlichen und technischen Prioritäten des Herstellers und richten den Genehmigungsumfang am geplanten Produkt und Zielmarkt aus. Um unsere Leistungen und die Unterstützung für Ihr Projekt zu besprechen, nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Aktuelle Brancheninformationen finden Sie auf LinkedIn und Instagram.
Überblick
Bei Busprojekten der Klassen M2 und M3 sind Fahrgastzahl, Fahrzeugmasse, Einsatzzweck und Sicherheitsanforderungen gemeinsam zu bewerten. Der Beitrag erläutert Kastenwagenumbauten und die wesentlichen Unterschiede zwischen Serien- und Einzelgenehmigungen. Darüber hinaus behandelt der Beitrag Definitionen der Busklassen M2 und M3, Welche Kastenwagen werden häufig zu Bussen umgebaut? und Welcher Genehmigungsweg eignet sich für einen Kastenwagenumbau?.
